Judo

Geschichte:

Die Wurzeln des Judo sind in Japan zu finden. Jigoro Kano (1860-1938) lernte ursprünglich die Kunst des Jui-Jitsu was zu dieser Zeit die weit verbreiteteste Kampfkunst in Japan war.

Im Jahr 1882 gründete Jigoro Kano in Tokio seine eigene Kampfkunstschule und nannte seine Kampfkunst Judo. Judo bedeutet auf deutsch etwa „der sanfte Weg“. Jigoro Kano entfernte viele Jui-Jitsu Techniken wie Schläge, Stöße, Tritte und Hebeltechniken und schuf so die Basis für eine sportliche Wettkampfart ohne mit größeren Verletzungen rechnen zu müssen.

Der große Durchbruch des Judo fand im Jahr 1886 statt, als zwischen einer sehr bekannten Jui Jitsu Schule (Ryoi Shinto Ryu) und der Kodan-Schule von Jigoro Kano ein Wettkampf ausgetragen wurde und dieser mit einem Sieg der Kodan Schule ausging.

Judo wurde in den folgenden Jahren bei der Armee und Polizei eingeführt und im Jahr 1911 an den japanischen Mittelschulen Pflichtfach.

Erich Rahn (1885-1973) lernte den Japaner Katsuguma Higashi bei einer Jui-Jitsu Vorführung kennen und war begeistert wie es Katsuguma Higashi gelang einen wesentlich stärkeren Mann mit Hilfe seiner Kampftechnik zu besiegen. So wurde Erich Rahn der Pionier des Jiu-Jitsu- und Judo-Sports in Deutschland und gründete 1906 in Berlin die erste deutsche Jiu Jitsu-Schule. Weitere Judo-Pioneere sind Alfred Rhode (Erster Vorsitzender des 1932 gegründeten Judo-Rings) und Heinrich Frantzen

Judo wurde sehr populär in Deutschland. Nach dem 2ten Weltkrieg wurde das lehren von Judo bis 1948 von den Alliierten verboten.

Im Jahr 1951 wurden in Frankfurt die ersten Deutschen Meisterschaften nach dem 2.Weltkrieg ausgetragen.

1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) mit dem ersten Vorsitzenden Alfred Rhode gegründet. Im Jahr darauf, 1953 wurde der Deutsche Judobund mit dem Vorsitzenden Heinrich Frantzen gegründet.

Judo ist seit 1964 eine olympische Disziplin.

1970 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften der Frauen in Rüsselsheim ausgetragen.

Kleidung:

Der Judoka trägt eine knöchellange weiße Hose, den sogenannten Zubon und eine halblange weiße Jacke, den Uwagi. Die Kleidung ist aus Baumwolle und wird durch den Obi, einen farbigen Gürtel zusammengehalten.

Gürtelfarben und Bedeutungen:

An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand des Judokas erkennen. Es wird zwischen Schülergraden (weis, gelb, orange, grün, blau und braune Gürtel) und den Meistergraden (Schwarz, rot-weiß und rot) unterschieden.

Jeder, der mit dem Judo beginnt, trägt einen weißen Gürtel.

Prüfungen:

Durch das Ablegen von Prüfungen, kann man den jeweils nächst höheren Gürtel erhalten. Die Prüfungen bestehen aus Fallübungen, Stand- und Bodentechniken, wie Würfen, Haltegriffen, Hebeln und Würgetechniken sowie Katas (ab dem 3 Kyu). Bei den vorgeführten Techniken wird sehr auf Präzision geachtet. Dem Ausbildungsstand entsprechend sind die vorzuführenden Techniken komplexer und schwieriger.

Man hat sich darauf geeinigt, in Deutschland nach den Kriterien des DJB (Deutschen Judo Bundes) zu prüfen, um so ein einheitliches System zur besseren Vergleichbarkeit zu haben. Die Kyupprüfungsordnung gilt seit August 2005.

Training:

Das Kata-Training führt häufig zu einem noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken, da auf eine absolut saubere Ausführung der jeweiligen Technik geachtet wird. Es gibt Stand- und Boden Kata.

Techniken:

Da im Judo Wurftechniken eine elementare Rolle spielen, lernt der Anfänger als erstes die Falltechniken (Ukemi Waza), um sich nicht zu verletzen. Das Fallen wird nach rechts, links, vorwärts und rückwärts gelernt. Die bekannteste Falltechnik, die Judorolle ist das fallen nach vorne. Höhere Gürtelgrade lernen die Judorolle in der Luft zu machen.

Wurftechniken / Naga Waza:

Die Wurftechniken dienen dazu, den Gegner vom Stand in die Bodenlage zu befördern. Im Judo gibt es 40 Grundwürfe die in den „5 Lehren“ (Gokyo) zusammengefasst sind. Die 5 Lehren sind nach Schwierigkeitsgrad unterteilt und umfassen jeweils 8 Wurftechniken. Der Judoka lernt im Laufe seiner Ausbildung die 5 Lehren. Viele Wurftechniken sehen so aus, als wenn man zur Ausführung viel Kraft benötigen würde. Der Judoka macht sich jedoch den Schwung seines Gegners zu nutze und kann die meisten Wurftechniken mit relativ geringem Kraftaufwand ausführen. Hier rührt die Bezeichnung „der sanfte Weg“ her.

Bodentechniken / Katame Waza:

Mit Haltegriffen (Osae-komi-waza) wird der geworfene Gegner in der Rückenlage am Boden festgehalten. Es gibt vier Grundlegende Arten von Haltegriffen (Kami-shiho-gatame, Kesa-gatame, Tate-shiho-gatame und Yoko-shiho-gatame) alle weiteren Haltegriffe basieren auf einer dieser Grundarten. Richtig ausgeführt ist es selbst mit entsprechenden Befreiungstechniken schwierig sich aus einigen Haltegriffen zu befreien.

Hebeltechniken (Kansetsu-waza) werden im Judo auf den Ellenbogen als Streckhebel (Gatame) oder Beugehebel (Garami) angewendet. Der Hebel führt zu einem Stechenden Schmerz und zwingt den Gegner dazu aufzugeben. Die Aufgabe wird durch zweimaliges Abklopfen oder den Ausruf „Maitta“ (zu deutsch: „Ich gebe auf“) signalisiert.
Der Judoka lernt, die Hebeltechniken zu respektieren und mit Bedacht einzusetzen. So kommt es selten zu Verletzungen.

Würgetechniken (Shime-waza) haben das Ziel, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Bei den Würgetechniken wird die Halsvorderseite oder die Halsschlagadern durch drücken angegriffen. Bei einem Angriff auf die Halsschlagadern wird durch Druck die Blutzirkulation behindert. Dies führt nach ca. 10-12 Sekunden zur Bewusstlosigkeit. In der Regel gibt der Gewürgte vorher auf, bzw. der Kampf wird vom Kampfrichter rechtzeitig abgebrochen. In den seltenen Fällen, das der Gegner Bewusstlos wird, werden die Beine nach dem Kampf hochgelegt und der Gewürgte erlangt nach ein paar Sekunden sein Bewusstsein wieder.

Schlagtechniken (Ate-Waza und Atemi-Waza) finden im Wettkampf oder bei Partnerübungen im Judo (nach DJB) heutzutage keine Anwendung mehr. In Katas, werden Schlagtechniken allerdings noch weiter ausgeführt und bei Gürtelprüfungen abgefragt. Auch gibt es eine Disziplin bei einigen Wettkämpfen, in denen die Ausführung einer Kata bewertet wird. Es gibt jedoch noch einige Vereine, die Schlagtechniken mit dem Hintergrund Judo als Selbstverteidigung lehren.

Wettkampf / Shiai:

Bei einem Judowettkampf, dem sogenannten Shiai, ist es das Ziel, den Gegner kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Gelingt ein kontrollierter Wurf und der Gegner landet auf dem Rücken so ist der Kampf gewonnen. Es ist unerheblich, wie die Technik ausgeführt wurde, solange es zu keinem Regelverstoß gekommen ist.

Der Wettkampf wird meist auf einer mittelharten Matte mit einem Maß von 8×8 Metern ausgetragen. Erlaubte Mattenmaße liegen zwischen 7×7 und 10×10 Metern – immer quadratisch.

Ein Kampf dauert im Erwachsenenbereich meist 5 Minuten, bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2-4 Minuten. Kann während der Kampfzeit kein Kämpfer den Kampf für sich entscheiden, so gewinnt derjenige der die höchste Wertung hat. Sind die Kämpfer punktgleich, so entscheiden die 3 Kampfrichter indem sie auf Kommando ein Fähnchen mit der Farbe ihres Favoriten zeigen. Der Judoka für den die meisten Fähnchen gezeigt werden gewinnt.

Wie beim Hebeln wird auch hier durch Abschlagen aufgegeben. Im Wettkampf lassen sich Würger wie Hebeltechniken gut im direkten Übergang vom Stand- in den Bodenkampf ausführen, ehe der Gegner eine starke Verteidigung mit den eigenen Händen aufbauen kann.

Bei Kindern sind Hebel- und Würgetechniken im Wettkampf verboten, da die meisten Kinder noch nicht so gut einschätzen können, wie viel Kraft aufgewendet werden darf oder wann sie aufgeben müssen.

Um in Wettkämpfen die beiden Kontrahenten besser unterscheiden zu können, trägt ein Judoka bei internationalen Meisterschaften einen blauen Judogi. Alternativ trägt ein Kämpfer einen zusätzlichen roten bzw. weißen Gürtel.

Wertungen:

Ippon
(Ganzer Punkt) - Der Kampf ist sofort beendet und gewonnen. Wird gegeben für: Halten des Gegners für 25 Sekunden mit einer Haltetechnik, einen kontrollierten, kraftvollen und schnellen Wurf auf den Rücken, zweimaligen erhalt eines Waza-ari, Anwendung einer Hebel- oder Würgetechnik die den Gegner zur Aufgabe oder Kampfunfähigkeit bringt, Disqualifizierung des Kontrahenten (Hansoku-make)

Waza-ari (Halber Punkt) – Der Kampf wird wieder aufgenommen. Wird gegeben für: Halten des Gegners für 20 Sekunden mit einer Haltetechnik, einen Wurf, der zumindest zwei der drei (kontrolliert, kraftvoll, schnell) Kriterien entspricht, Bestrafung des Kontrahenten mit 3 Verwarnungen (Shido)

Yuko (Großer technischer Vorteil) – Der Kampf wird wieder aufgenommen. Wird gegeben für: Halten des Gegners mit einer Haltetechnik für mindestens 15 Sekunden, eine Wurftechnik, die zumindest einen der drei Kriterien des Ippon entspricht (kontrolliert, kraftvoll, schnell), Bestrafung des Kontrahenten mit 2 Verwarnungen (Shido)